Das Mittelmeer in der Nordsee... - Mittelmeerfauna 2016

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Das Mittelmeer in der Nordsee...



Das Mittelmeer in der Nordsee...

...in der Zwischenzeit hat es sich herausgestellt, dass Nord- und Ostsee im Jahresmittel betrachtet in den letzten einhundert Jahren etwa 2°Celsius wärmer geworden sind. Dieses hat dramatische Folgen, die jedoch von den meisten Leuten nicht gesehen werden (wollen). Einwanderung subtropischer und sogar tropischer Tier- und Pflanzenarten, Artenschwund und zunehmende Unwetterhäufigkeit. Aber wer glaubte schon unserer Kunde? ...um es mal mit einem Bibelzitat zu sagen. All diese kleinen und großen Indizien fordern uns dazu heraus, unseren Lebensstil neu zu überdenken. Auf was können wir verzichten? Spontan fallen mir da solche Dinge ein wie mehrere Flugreisen im Jahr, Fleischkonsum, weniger Autofahrten, Vermeidung von Plastikmüll, Aufgabe umweltschädlicher Heizungen... Sicher gibt es noch etliches mehr.
Nicht: Die anderen sind schuld!
Sondern: Ich fange bei mir selbst an!
Ist zwar unbequem, aber immer noch besser, als wenn Domina Natura uns eines schönen Tages dazu zwingt...

Der Schwertfisch Xiphias gladius kommt weltweit in allen Ozeanen in subtropischen Gewässern vor und wird im Mittelmeer kommerziell stark befischt, weshalb er dort inzwischen selten geworden ist. Gelegentlich wird er auch in der Nordsee gefangen oder strandet dort vor allem bei vorgelagerten Inseln. Solche Exemplare haben meist keinen Mageninhalt, was zeigt, dass sie sich hier nicht richtig wohl fühlen. Der Schwertfisch ist ein schwimmendes Muskelpaket und deshalb ein sehr beliebter Sportfisch der Big-Game-Fischer. Schon Ernest Hemingway machte zusammen mit seinen Freunden von kleinen Booten aus Jagd auf den Schwertfisch, was mit den damaligen Gerätschaften ein echtes Risiko und harte Knochenarbeit war, da sich der Drill eines großen Schwertfisches durchaus über einen Tag lang hinziehen konnte. Diese Erfahrungen inspirierten Hemingway auch zu seiner weltberühmten Novelle "Der alte Mann und das Meer".  Umstritten ist unter den Fachleuten, ob das Schwert des Schwertfisches tatsächlich nur dem Beuteerwerb dient, oder ob er damit seine Hydrodynamik verbessert. Fakt ist jedoch, dass Schwertfische mit zu den schnellsten Fischen überhaupt gehören, da sie in nur 3 Sekunden 100 Meter Entfernung zurücklegen können. Für Angler sind sie so lange gefährlich, wie sie im Wasser sind, da sie kurz vor der Anlandung nochmals alle Kraftreserven mobilisieren und springen können, wobei Anglern zum einen Gefahr von dem verlängerten Oberkiefer des Schwertfisches droht, zum anderen auch,  in die Angelschnur gewickelt und in die Tiefe gerissen zu werden. Da Schwertfische bis in 800 Meter Tiefe abtauchen können, hat ein mitgerissener Angler allein aufgrund des plötzlichen Tiefendruckes keine Überlebenschance. Schwertfische sind bereits stark überfischt worden, und da sie am Ende der Nahrungskette stehen, ist es fraglich, ob der Genuss ihres Fleisches ein gesunder Genuss ist, da sich darin Schwermetalle wie Quecksilber und Cadmium ablagern.

Siehe auch: http://www.manukafeed.com/contaminated-fish/2/

In jüngerer Zeit machten Schwertfische, die auf der Ostseeinsel Rügen tot aufgefunden wurden (so geschehen im Jahre 2008), Schlagzeilen. Diese Exemplare kann man als einen weiteren Beleg für eine fortschreitende Klimaänderung werten, die uns sehr nachdenklich stimmen sollte.

Im Gegensatz zu den Kraken der Ordnung Octopodia, den "Achtfüssern",  gehören die Tintenfische zu den Decabrachia, nämlich den "Zehnarmern", weil sie zusätzlich zu ihren Fangarmen noch zwei weitere lange Fangtentakel besitzen. Der Gemeine Tintenfisch Sepia officinalis, den man ja eigentlich eher aus dem Mittelmeer kennt, scheint nun auch in der Nordsee recht häufig geworden zu sein, da man manchmal große Mengen angespülter Schulpe, das heißt die Innenskelette des Tintenfisches, an den Stränden finden kann. Auch legen diese Schulpe Zeugnis davon ab, dass Tintenfische in der Nordsee recht respektable Größen erreichen. Klassische Laichplätze der Tintenfische liegen eher in der südlichen Nordsee wie z.B. der Mündung der Oosterschelde und im Ärmelkanal, doch sind auch schon  Eitrauben  des Tintenfisches im Dornumer Watt gefunden worden. Da in jüngerer Zeit Tintenfische im Katinger Watt der Halbinsel Eiderstedt gefunden wurden, liegt die Vermutung nahe, dass sie ihre Laichplätze in den Norden der Nordsee ausweiten. Dies kann als ein weiterer Beleg für die fortschreitende Klimaänderung und Erwärmung der Nordsee gewertet werden, und sollte uns daher sehr nachdenklich stimmen. Möchte man Sepien halten, ist die beste Methode die, junge Tintenfische aus solchen Eitrauben zu erbrüten, und dann in einem Artenbecken zu halten. Dadurch erspart man sich den mühevollen Fang und den schwierigen Transport adulter Tiere, die hier sehr anfällig sind. Da Tintenfische sehr schreckhaft sind, werden sie in manchen Aquarien hinter den Kulissen gehalten, damit die Besucher sie nicht durch Scheibenklopfen erschrecken können. Sie benötigen verhältnismäßig große Aquarien, da sie im Falle des Erschreckens mit Hilfe ihres Atemsiphons einen Rückstoß abgeben können, der sie an die nächste Aquarienscheibe befördert. Dadurch kann es passieren, dass sich der Schulp des Tintenfisches verschiebt und innere Verletzungen verursacht, die zum Ableben des Tintenfisches führen. Der Tintenfisch kann sich farblich seiner Umgebung völlig anpassen, in dem er Farbe und Körperform ändert. Hierbei kann er kleine Ausstülpungen auf seiner Körperoberfläche aktivieren, um beispielsweise wie ein rauer Stein auszusehen. Durch Taucher wurde außerdem beobachtet, dass Tintenfische sehr zärtliche Liebhaber sind, die während ihrer Paarung stimmungsabhängig ihre Farbe ändern. Tintenfische können sich im Bodensubstrat eingraben. Dort lauern sie dann auf kleine Fische und Krebse, die sie mit ihren beiden langen ausstülpbaren Fangtentakeln erbeuten. Die Beute wird dann mit dem papageiähnlichen Schnabel, der zwischen den Armen sitzt, in schlundgerechte Stücke zerbissen und verschlungen. Ihrerseits dienen Tintenfische zahllosen Raubfischen und auch dem Menschen als proteinreiche Nahrungsquelle. Tintenfische findet man im Mittelmeer, im Atlantik, in der Nordsee und in der westlichen Ostsee. Sie werden bis zu 50 Zentimeter lang und wachsen, bis sie - meistens nach der Paarung - eines natürlichen Todes sterben. Vor allem im mediterranen Raum werden sie häufig gefangen und für den menschlichen Verzehr gehandelt. Außerdem sind Tintenfische klein geschnitten auch ein ausgezeichnetes Proteinfutter für viele Meerestiere. Tintenfische schmecken richtig zubereitet hervorragend, ihre Tinte kann man zum Schreiben und Zeichnen verwenden, und ihre Schulpe werden gerne für Ziervögel zum Schnabelwetzen benutzt. Alles in allem ein sehr vielseitig nutzbares Tier!
Im Jahr 2016 gingen im Frühsommer den Krabbenfischern diverse Kopffüßer ins Netz, während im Spätsommer noch jede Menge Eitrauben mitgefangen wurden... Eine bedenkliche Entwicklung. Denn einerseits belegt das massierte Auftreten von Kopffüßern Überfischung, weil ihnen ihre Fressfeinde fehlen. Zum anderen aber ist die Verlagerung ihrer Brutgebiete nach Norden ein Beleg für eine rapide Klimaerwärmung!

 
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