Drachenköpfe - Mittelmeerfauna 2016

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Drachenköpfe



Drachenköpfe (Scorpaenidae)

Drachenköpfe
sind Giftfische, bei denen das Gift über giftige Drüsen in Kiemendeckel- und Rückenflossenstacheln geleitet wird. Stiche sind selten tödlich, dafür aber sehr schmerzhaft und unangenehm. Die Tiere tarnen sich, indem sie durch die Änderung ihrer Körperfarbe und/oder durch Hautanhängsel Strukturen ihrer näheren Umgebung imitieren. Taucher können sie schnell übersehen! Im Aquarium sind sie eher ruhig oder sogar scheu und können meist mit etwa gleichgroßen anderen Tieren zusammen gepflegt werden.  

Die genaue Art-Bestimmung von Drachenköpfen bei lebenden Exemplaren ist schwierig. Bei dem obigen Exemplar könnte es sich sowohl um den Braunen Drachenkopf Scorpaena porcus als auch um den Madeira-Drachenkopf Scorpaena maderensis handeln... Warten wir es ab: Sollte er exorbitant groß werden, ist es auf jeden Fall nicht der Madeira-Drachenkopf...

Den Kleinen Roten Drachenkopf Scorpaena notata findet man im gesamten Mittelmeer, im Schwarzen Meer und an den nordafrikanischen Küsten des Atlantiks. Er erreicht eine Länge von bis zu 20 Zentimetern. Man findet ihn bereits ab wenigen Metern Wassertiefe, doch gibt es  auch Nachweise dieser Art aus bis 700 Metern Tiefe. Seine bevorzugte Beute sind kleine Krebstiere und kleine Fische. Man findet ihn stets in der Nähe von Felsenriffen oder zwischen Algenbeständen, seltener im freien Wasser schwimmend. Seine Taktik ist die, dass er zunächst die Färbung seiner Umgebung annimmt und so mit dieser perfekt verschmilzt. Daher sagt seine momentane Färbung nichts über die tatsächliche Artzugehörigkeit dieses Drachenkopfes aus. (Die verschiedenen Arten der Drachenköpfe lassen sich aber anhand anderer Merkmale wie etwa Hautanhängseln und Kopftentakeln bestimmen.) Die Art ist ausgezeichnet im Aquarium haltbar. Die Tiere gehen nach erfolgreicher Eingewöhnung willig an Frostfutter wie kleine Futterfische  und Garnelen. Drachenköpfe sind Einzelgänger, können aber gut mit gleichgroßen Fischen, Seesternen, Seeigeln und Wirbellosen vergesellschaftet werden, die nicht in ihr  Beutespektrum passen. In der Eingewöhnungsphase sollte Lebendfutter geboten werden, vor allem Garnelen und Fische. Später wird auch Frostfutter akzeptiert. Dann ist die Art gut und lange haltbar. Beim Hantieren im Aquarium ist Vorsicht angesagt, denn Drachenköpfe haben Giftstacheln in ihrer Rückenflosse, die aber nur sehr passiv eingesetzt werden. Drachenköpfe ziehen die Stacheln sogar ein, wenn etwa ein harmloser Plattfisch über sie hinweg schwimmt!

Die Europäische Meersau Scorpaena scrofa ist ein typischer Drachenkopf, den man im gesamten Mittelmeer, an den nordafrikanischen Küsten des Atlantiks und auch an den südwestlichen Küsten der britischen  Inseln antreffen kann. Dabei halten sich die Tiere in Tiefen zwischen 5 und 200 Metern auf. Die Art erreicht eine Größe von bis zu 50 Zentimetern und ist deshalb trotz ihrer Giftigkeit in mediterranen Ländern ein geschätzter Speisefisch, der vor allem in der traditionellen Bouillabaisse der Südfranzosen nicht fehlen darf. Von anderen Arten der Gattung kann man die Meersau anhand der Hautanhängsel unter dem Unterkiefer und des kleinen pinselartigen Hautbüschels über dem Auge unterscheiden. Auch dieser Drachenkopf besitzt giftige Flossen- und Kiemendeckelstacheln. Es sei darauf hingewiesen, dass die Meersau als giftigste Art der europäischen Drachenköpfe gilt, und dass ihr Gift auch nach dem Ableben des Tieres noch wirksam ist. Kindern und Allergikern droht nach einem Stich Lebensgefahr, weshalb ein respektvoller Umgang mit jeglichen Exemplaren dieser Art immer angemessen ist. Die Europäische Meersau hält sich gerne auf felsigen Substraten oder assoziiert zu Korallenriffen auf, wobei sie sich auch die Inbesitznahme exponierter Aussichtsplätze leisten kann. Hier lauert dieser Drachenkopf auf kleine unvorsichtige Fische und Garnelen, die blitzschnell eingeschlürft werden, wenn sie dem Maul des Räubers zu nahe kommen. Drachenköpfe sind ideale Aquarienfische, da sie wenig Schwimmdrang und damit relativ geringe Platzansprüche haben. Beim Hantieren im Aquarium muss man immer sehr behutsam vorgehen, um das Tier nicht zu erschrecken, und um kein panisches Aufschwimmen mit möglichen Stichen zu provozieren. Vergesellschaften kann man Drachenköpfe nur mit gleichgroßen Fischarten, die von ihrer Größe her nicht zur Beute des Fisches werden können.        

 
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