Einsiedlerkrebse - Mittelmeerfauna 2016

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Einsiedlerkrebse



Einsiedlerkrebse...

...sind meist drollige kleine Kerlchen, von denen es zahlreiche Arten gibt. Sie erfreuen uns durch das stete Herumschleppen irgendwelcher Schneckengehäuse und das tollkühne Überklettern von Hindernissen, zu denen auch im Weg liegende Plattfische gehören können. Manche sind harmlose Algen- und Detritusfresser, während andere der räuberischen Fraktion angehören...

Der Felsenküsteneinsiedler Clibanarius erythropus ist eine inzwischen sehr weit verbreitete Art, denn kam er ursprünglich an der westafrikanischen Küste, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer vor, so ist er mittlerweile durch den Suezkanal auch ins Rote Meer eingedrungen, und auch aus Singapur wurde er bereits nachgewiesen. Daher kann man davon ausgehen, dass diese Art durch Schiffe möglicherweise bereits weltweit verbreitet worden sein könnte.
Man erkennt diesen Einsiedler an den charakteristischen orangefarbenen Antennen und Augenstilen, sowie an der geringen Größe, da er insgesamt nur etwa zwei Zentimeter Gesamtlänge erreicht. Oft kann man diese Art in der Gezeitenzone im Flachwasserbereich unter Steinen und an ähnlichen deckungsreichen Orten finden. Dabei treten oft große Mengen von ihnen auf engstem Raum auf.
Diese Art ist sowohl bei Zimmertemperatur, also etwa 20° Celsius, als auch in einem tropischen Meerwasseraquarium bei etwa 25° Celsius sehr gut und ausdauernd haltbar, und kann mehrere Jahre problemlos zusammen mit mittelgroßen Fischen und Wirbellosen gepflegt werden. Auch ist diese Art innerartlich sehr verträglich. Versuchshalber hielt ich auch einige Exemplare im gekühlten Nordseebecken, doch fühlten sie sich dort nicht dauerhaft wohl.
Dieser Einsiedler lebt sehr gesellig und tagaktiv, was ihn zu einem hervorragenden Pflegling im Aquarium macht. Auch konnte ich es beobachten, dass diese Art manchmal eine Symbiose mit kleinen Seeanemonen anstrebt.

Ich war sehr überrascht, als ich im August 2008 von einem Krabbenkutter in Neuharlingersiel einen kleinen, mir von unseren Küsten bis dahin unbekannten Einsiedlerkrebs erhielt. Erstmalig hatte ich mit diesen Tieren durch Muschelsendungen aus dem Mittelmeer Bekanntschaft gemacht, und auch bei meinen Mittelmeerurlauben hatte ich hin und wieder diesen Einsiedlerkrebs gefunden. Wie ich dann später bei meinen Recherchen herausfand, war diese Art früher regulär bis zur belgischen oder holländischen Küste verbreitet. Doch scheint sie nun aufgrund der Erwärmung des Nordseewassers immer weiter Richtung Norden vorzudringen. Auf den ostfriesischen Inseln kann der Zwergeinsiedler Diogenes pugilator im Sommer bereits regulär im Watt angetroffen werden.
Im Aquarium ist dieser Einsiedler gut haltbar, wenn er ohne nennenswerte Fressfeinde gehalten wird. Dabei ist er nicht so empfindlich gegen hohe Temperaturen wie der Bernhardskrebs Pagurus bernhardus. Um den Zwergeinsiedler von letzterem zu unterscheiden, muss man schon etwas genauer hinsehen, denn sie sind meist ähnlich gefärbt. Der Zwergeinsiedler hat jedoch ein sehr stark verlängertes Scherenbein, welches in seinen Proportionen nicht so breit ist, wie das des Bernhardskrebses.    
Das oben abgebildete Exemplar des Zwergeinsiedlers Diogenes pugilator wurde im August 2008 vor der ostfriesischen deutschen Küste von einem Krabbenkutter angelandet. Diese Art gräbt sich auch gerne mitsamt dem Schneckenhaus im Sand ein, um ihren Feinden zu entgehen. Wegen der fortgeschrittenen Erwärmung der Nordsee findet man diese Art inzwischen regulär während der warmen Jahreszeit an den Küsten der südlichen Nordsee.
Trotz solcher und ähnlicher Belege einer Faunenänderung infolge Temperaturanstieges soll es immer noch jede Menge ignorante Menschen geben, die eine Erwärmung des globalen Klimas infolge anthropogener Einflüsse leugnen...


 
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