Mythos Artgerecht - Mittelmeerfauna 2016

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Mythos Artgerecht



Der Mythos von der artgerechten Tierhaltung…

Seit jeher wird von Aquarienfreunden, dem so genannten „Zoofachhandel“(oder wollen wir diesen lieber als „Tierverbrauchshandel“ bezeichnen?), Tierschutzorganisationen und auch staatlichen Veterinären und anderen staatlichen Organisationen mit der Begrifflichkeit der „artgerechten“ Tierhaltung um sich geworfen. Mit Sicherheit gibt es hierfür sogar gesetzliche und auch andere Definitionen, die sich jedoch international betrachtet stark unterscheiden dürften. Würde man ein bloßes Überleben eines Aquarientieres in Gefangenschaft als Maßstab anlegen, dann wären mit Sicherheit sehr viele Haltungs- und Zwischenhälterungsmethoden ad hoc zu 100 Prozent artgerecht. Legt man jedoch den Maßstab eines unbegrenzten Lebensraumes, nämlich des Weltmeeres an, dann kommt man sehr schnell zu dem Ergebnis, dass eine „artgerechte Tierhaltung“ gar nicht möglich ist! Hierzu ein sehr einfaches Beispiel: Die Scholle der Nordsee Pleuronectes platessa wandert täglich mit dem Gezeitenstrom und legt dabei Entfernungen von bis zu 20 Kilometern zurück. Welches öffentliche Aquarium, das Schollen ausstellt, bietet seinen Besatztieren eine Möglichkeit, im Aquarium täglich eine Distanz von 20 Kilometern zurücklegen zu können? Was ebenfalls von öffentlichen Aquarien stets ignoriert wird, sind die Revieransprüche von Kaiserfischen. So ist es schon lange bekannt, dass insbesondere Kaiserfische der Gattung Pomacanthus im Riff oft Reviere besetzen, die mehrere hundert Quadratmeter groß sind. Während man also auf der einen Seite kommerziellen Ausstellern und öffentlichen Aquarien nahezu alles erlaubt, soll der private Tierhalter auf der anderen Seite ständig gemaßregelt und gegängelt werden. Manche Politiker würden ihm sein Hobby am liebsten ganz untersagen. Dann gibt es auch noch öffentliche Schauaquarien wie etwa die angeblich Greenpeace nahestehende Sealife-Gruppe, die ihre Tierpfleger sogar zur Tierquälerei zwingen. Da kommt dann nämlich der Sealife-Manager aus UK und bestimmt etwa, dass mehrere Kraken in nur ein Aquarium gesetzt werden müssen. Die Kraken jagen sich dann gegenseitig durch das Aquarium, bis nur noch das stärkste Tier lebt. (Dies habe ich mit eigenen Augen im Sealife-Center Hannover gesehen). Ich gehe inzwischen davon aus, dass Sealife-Center auf dem Hinterhof stets eine große Mülltonne für so „totgepflegte“ Tiere haben. Aber es ist nun mal wichtig, dass man stets viel zu viele Tiere in den Aquarien wimmeln hat, damit der Besucher auch viel zu sehen bekommt. Da werden auch schon mal Fische von mehr als einem Meter Länge in ein zwei Meter langes Becken gesetzt… Sehr artgerecht, wirklich toll! Es lebe der Mythos: Artgerecht! Was ich damit sagen möchte, ist eigentlich etwas anderes: Manche Tiere überleben unsere Aquarien nur deshalb, weil sie hier keine Fressfeinde haben und weil sie selbst sehr anpassungsfähig sind. Auch können manche Arten extremste Transporte und Transportmethoden schadlos überstehen. Manche Fischarten können sogar relativ lange ohne Wasser überleben, wie etwa bestimmte südamerikanische Welse. Darüber hinaus ist es auch bekannt, dass Plattfische nach dem Fang in Kisten mit Eis eingelagert bis zu 48 Stunden lang überleben können. Solche Plattfische  können sogar wieder reanimiert werden! Das mag dann zwar ein „artgerechter“ Umgang mit den Tieren sein, doch muss man das wohl in jedem Fall von einer optimalen und tierfreundlichen Haltung abgrenzen. Nur weil etwas für eine gewisse Zeit funktioniert, ist es nämlich noch lange nicht richtig! Bei Korallenfischen hat man meist das Problem, dass man im Handel Jungtiere erwirbt, die sich im Alter ganz anders verhalten, weil sie nun Reviere verteidigen und sich im Optimalfall auch fortpflanzen möchten. Hier stoßen die allermeisten Aquarien bereits schnell an ihre Grenzen. Doch das geht den öffentlichen Aquarien ganz genauso. So benötigen viele Fische eine mehrere Meter hohe Wassersäule, um Eier und Spermien überhaupt ausstoßen zu können. Dabei steigen sie rasch vom Boden auf und geben ihre Geschlechtsprodukte nahe der Wasseroberfläche ins Wasser ab. Ohne diese Möglichkeit müssen manche Arten – wie etwa eine Scholle – elendig im Aquarium zugrunde gehen, weil sie ihre Eier nicht ausstoßen können und dann an einer Laichverhärtung sterben. Hier würde artgerechte Tierhaltung also bedeuten, dass man den Tieren – wie auch immer – die Möglichkeit zum Laichen verschaffen muss. Notfalls, in dem man sie wieder auswildert. Das Thema der artgerechten Tierhaltung ist ein sehr komplexes Gebilde, dessen Idealen  man sich immer nur annähern kann, die man aber niemals wirklich erreichen wird. Dies sei allen „Tierschützern“, „Experten“, Politikern und sonstigen Kritikern unseres salzigen Steckenpferdes entgegengehalten. Auch ist es wohl nur als hochgradig schizophren zu bezeichnen, wenn man ständig versucht, mit Gesetzen und Verordnungen diejenigen kriminalisieren zu wollen, denen ihre Pfleglinge tatsächlich am Herzen liegen. Während man auf der anderen Seite kommerzielle Aussteller, die sogar offensichtliche Tierquälereien aus reiner Profitgier begehen, ungestraft gewähren lässt! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man einen Unterschied machen muss zwischen dem, der seine Tiere mangels nötigen Wissens unabsichtlich falsch hält, und demjenigen, der aus welchen Motiven auch immer Leiden und Schmerzen seiner Tiere in Kauf nimmt. (Die Inkaufnahme ist vom Gesetzgeber in Deutschland dem Vorsatz gleichgestellt worden!). Daher sollte man mit dem Begriff der Tierquälerei sehr vorsichtig agieren, denn es gibt hier einen objektiven und sehr deutlichen Unterschied zwischen dem „Tierfalschhalter“ und dem „Tierquäler“! Etwas mehr „political correctness“ könnte hier nicht schaden!

 
 
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