Seepferdchen - Mittelmeerfauna 2016

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Seepferdchen



Seepferdchen und Seenadeln - Syngnathidae

Röhrenmäuler sind Fische, die sich durch ihre pipettenähnlich gebaute Schnauze und eine mehr oder minder vorhandene Panzerung des gesamten Körpers auszeichnen. Ihr Zungenbein ist so beschaffen, dass sie mit ihrer Mundöffnung einen Unterdruck erzeugen können, mit welchem sie dann kleine Beutetiere einsaugen können. Es gibt schätzungsweise etwa einhundert verschiedene Arten von Seepferdchen, von denen manche noch nicht wissenschaftlich beschrieben wurden. Darüber hinaus gibt es mindestens viermal so viele Arten von Seenadeln. Die Haltung der meisten Arten ist nicht schwierig, sofern man ständig lebendes Futter beschaffen kann. Nur wenige Arten lassen sich an die Akzeptanz von Frostfutter gewöhnen. Dazu kommt noch, dass viele Arten – wie insbesondere die Seepferdchen – einen sehr kurzen Darm besitzen. Das bedeutet, dass sie im Grunde genommen immer im Futter stehen müssen, um nicht zu verhungern. Für die Aquarienhaltung bedeutet dieses, dass die Tiere mehrmals täglich mit Lebendfutter versorgt werden müssen. Hierfür eignen sich Futtertiere wie Schwebegarnelen(Mysis), angereicherte Salinenkrebschen(Artemia) und deren Nauplius-Larven sowie kleine Felsengarnelen(Palaemon) und deren Larven. Für die Aufzucht von juvenilen Seepferdchen und Seenadeln benötigt man dagegen erheblich kleinere Futtertiere wie etwa Ruderfußkrebse(Copepoda), welche auf der Basis von Phytoplankton gezüchtet werden müssen. Bei den Seepferdchen und Seenadeln ist das Austragen der Brut Männersache. Wobei Seepferdchen eine Bruttasche am Bauch haben, in welche das Weibchen  die Eier hineinlegt, während die Seenadeln zwei längliche Hautfalten am Bauch besitzen, welche als Bruttaschen fungieren. Bei guten Wasserverhältnissen sorgen Seepferdchen und Seenadeln regelmäßig für Nachwuchs, doch gilt die Aufzucht als schwierig. Ich empfehle daher, sich darüber im Internet in den einschlägigen Foren zu informieren, weil man so auch besser an aktuelle Erkenntnisse zu dieser Thematik gelangen kann. Abschließend sei angemerkt, dass alle Seepferdchen inzwischen den Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens genießen, so dass sie und die Nachzuchten nur noch mit CITES-Papieren gehandelt werden dürfen. Diese Maßnahme wurde leider notwendig, weil insbesondere die Chinesen getrocknete Seepferdchen gerne als Potenzmittel handeln und Phantasiepreise pro Kilogramm bezahlen. Man vergewissere sich daher vor dem Erwerb dieser Tiere besser, dass es sich um legale Nachzuchten handelt! Sonst droht Ungemach seitens der Unteren Naturschutzbehörde. Dieses gilt ganz besonders für die in Europa beheimateten Arten der Seepferdchen, weshalb man grundsätzlich nur legale Nachzuchten erwerben sollte. Vom Eigenimport aus dem Mittelmeer sollte man daher Abstand nehmen, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Kurzschnauziges Seepferdchen,
Hippocampus hippocampus
(Linnaeus, 1758)


Das Kurzschnauzige Seepferdchen kommt fast im gleichen Verbreitungsgebiet wie das Langschnauzige Seepferdchen vor, ist aber an nicht so vielen britischen Küsten zu finden und fehlt in Irland völlig. Es kann 15 Zentimeter Gesamtlänge erreichen. Der lateinisch-griechische Gattungsname "Hippocampus" bedeutet wörtlich übersetzt "Pferderaupe". Tatsächlich sehen Seepferdchen dem Springer eines Schachspiels sehr ähnlich, und in der Tat erinnert ihr Greifschwanz mit seinem Knochenpanzer an die Körpersegmente einer Raupe. Dass sie trotz ihres verknöcherten Äußeren so wendig und biegsam sind, ist wirklich erstaunlich. Wie der deutsche Name dieses Seepferdchens es schon verrät, ist ihr Röhrenmaul erheblich kürzer als der des Langschnauzigen Seepferdchens. Außerdem haben Kurzschnauzige Seepferdchen keine  langen Körperanhänge. Das Kurzschnauzige Seepferdchen entspricht von seiner Biologie her dem Langschnauzigen. Eine Besonderheit ist es, dass die Weibchen kurz vor der Paarung regelrecht "erblassen" und so ihre Balzstimmung anzeigen.  Auch getrocknete Seepferdchen wie diese Präparate dürfen nicht mehr gehandelt werden. Das Verbot wird allerdings durch das Internet oft ausgehebelt… Alle Arten der Seepferdchen sind zwischenzeitlich streng geschützte Arten im Sinne des Washingtoner Artenschutzabkommens, weil vor allem die Chinesen in großem Stil getrocknete Seepferdchen als Potenz- und Heilmittel vermarktet haben. Dieses führte zu einem dramatischen Raubbau an den Seepferdchenbeständen weltweit, so dass man diesen per Dekret zu beenden hoffte. Allerdings ist es fraglich, ob diese Maßnahme wirklich Erfolg zeigen wird, da Kilopreise von 500 bis 1000 Dollar für ein Kilogramm getrockneter Seepferdchen immer ein starker Anreiz sein werden, sich über staatliche Verbote hinwegzusetzen.

Langschnauziges Seepferdchen,
Hippocampus ramulosus
Leach, 1814


Das Langschnauzige Seepferdchen kommt vor allem im gesamten Mittelmeer und im Atlantik um Südengland und Irland herum vor und hat seine nördlichste Verbreitung im Süden der Nordsee. Es kann etwa 15 Zentimeter Gesamtlänge erreichen. Die langen Fäden an Kopf und Rücken sind charakteristisch für diese Art. Seepferdchen gehören gemeinsam mit den Seenadeln zur Familie der Röhrenmäuler, den Syngnathidae. Die Mitglieder dieser Fischfamilie sind tatsächlich emanzipiert, weil bei ihnen die Männchen die Brut in einer speziellen Bruttasche am Bauch austragen, während die Weibchen ihre Eier lediglich in diese Tasche ablegen und sich nicht weiter um den Nachwuchs kümmern. Das Langschnauzige Seepferdchen pflanzt sich in der Zeit von April bis Oktober fort. Das Männchen trägt die Brut etwa 4 Wochen in seiner Tasche mit sich herum, ehe die Jungen mit einer Länge von etwa 15mm als vollständig entwickelte kleine Seepferdchen die Bruttasche verlassen. Seepferdchen lauern stets auf kleine Krebstiere, die sie sich mit ihrem Röhrenmaul regelrecht pipettieren, in dem sie ihre Beute durch einen starken Unterdruck ansaugen. Ihr Verdauungstrakt ist recht kurz, so dass sie immer relativ viel Futter benötigen, um nicht zu verhungern. Daher sind sie auch relativ schwierig im Aquarium zu halten, da sie manchmal nur lebendes Futter akzeptieren und die Beschaffung des Lebendfutters ein echtes Problem sein kann. Ihre Nachzucht ist bereits gelungen.

 
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